Ertl: „Wollten unbedingt noch was mitnehmen“

Ausgelassene FCI-Stimmung herrschte noch vor einer Woche beim letzten Heimspiel gegen Türk Sport Garching. War man doch nach einem überzeugenden Spiel als Sieger vom Platz gegangen. Nicht weniger war auch das Ziel, welches am gestrigen Sonntag auf der Sportanlage Alte Haide verfolgt wurde. Gastgeber war dieses Mal aber nicht der Namensgeber der Anlage, sondern der Partnerverein: FC Schwabing. Deren zweite Mannschaft sollte den Ismaninger Youngsters den zweiten Sieg der noch jungen Saison schenken.

Eingefleischten Kickern ist die Anlage durchaus bekannt. Kann man doch einen sehr schönen Hauptplatz sein eigen nennen. Wie es Bezirkssportanlagen manchmal so an sich haben, sieht diesen Platz nur selten ein Spieler. So auch an diesem – zudem – sehr verregneten Wochenende. Es schüttete aus Eimern bereits vor dem Spiel. Währenddessen wurde es nicht besser und am Ende goss es weiterhin. Kurzum eine nasskalte Angelegenheit die nur ganz Hartgesottene überhaupt vor die Tür und schon gar nicht an den Fußballplatz treibt.

Gespielt wurde auf dem gerade-noch-so Minimal-Maß erreichenden Kunstrasenplatz der Schwabinger, der ein enges und schnelles Spiel versprechen konnte. Die wenigen nassen Zuschauer sollten bereits in der Anfangsphase eine Ismaninger Mannschaft sehen, die den Schwabingern keinen Raum zur Entfaltung gab. Mehr als einmal waren die Gastgeber arg in Bedrängnis und konnten die Bälle nur noch unkoordiniert klären. Wer in der ersten halben Stunde das Spiel verfolgte, spürte, dass es nur eine Frage von Minuten war bis das erste Gäste-Tor fallen mußte. Egal ob Daniel Kojcinovic, Maximilian Ertl, Benedikt Schwenke oder auch Kayra Arikan – alle hatten bei ihren Torabschlüssen das Quentchen Pech, dass der Ball knapp an einem Pfosten vorbeiflog oder irgendwo noch kurz vor der Linie mit einem Fuß oder einer Torwarthand in die falsche Richtung abgelenkt wurde. In Minute 28 waren dann auch die paar Zuschauer hochgeschreckt, als nach einem schönen Zuspiel von Kayra Arikan Spielertrainer Helmut Leidenberger das Leder an die Unterlatte hämmerte. Wie zuvor auch, sprang auch dieser Ball nur leider nicht in, sondern aus dem Tor heraus. Auch kurz danach war das Glück nicht auf Ismaninger Seite, als ein traumhaftes Zuspiel von Maxi Ertl durch drei Schwabinger Defensivspieler den Weg nicht zu Leidenbergers Fuß fand.        

Das Schwabinger Offensivsspiel endete zu der Zeit am Mittelkreis und sollte erst in der 32. Minute erstmalig, dann aber mit Erfolg, bis zum Ismaninger Gehäuse kommen. Ein Angriff über die Seite konnte 20m vor dem Tor nur durch ein Foul gestoppt werden. Eine gut postierte Mauer versprach ausreichend Sicherung vor dem erwarteten Gästeschuss. Mit dem dann getretenen Sonntagsschuss konnte allerdings keiner rechnen. Der perfekt fliegende Ball landete bilderbuchmäßig im Kreuzeck des Ismaninger Schlußmannes Yannick Poyda und entfesselte bei den Rot-Weissen logischerweise einen befreienden großen Jubelsturm. War man doch bis dahin nicht einmal vor das Tor der Gäste gekommen bzw. hatte eine Chance erspielen können.

Der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt und die jungen Wilden aus Ismaning liefen nunmehr einem Rückstand hinterher. Dass die Mannschaft Spiele dieser Art drehen kann, hatte sie auch bereits in der Vorbereitung unter Beweis gestellt. Der Druck auf den Gastgeber wurde erhöht und man drängte auf den Ausgleich. Diesen sollte es aber bis zur Pause nicht mehr geben. Nach der Halbzeit startete das Spiel ähnlich wie in Hälfte eins. Die Ismaninger bestimmten das Tempo, hatten einen enorm hohen Ballanteil und ließen die Schwabinger abermals nicht ins Spiel kommen. Den letzten entscheidenden Pass konnten die Ismaninger aber ihrerseits auch nicht anbringen. Es sollte erneut eine Standardsituation werden, welche in der 61. Minute zur Spielentscheidung führen sollte. Ein viel zu lang geschlagener und eigentlich ungefährlicher Eckball fiel ausgerechnet dem technisch sehr gut sortierten Benedikt Schwenke so unglücklich auf den Oberschenkel, dass der Ball genau mittig am 6-Meter-Raum einem Schwabinger vor die Schuhe fiel. Die bedankten sich mit einem satten Volleyschuss und dem 2:0 aus Gastgebersicht.

Wer glaubt das der FCI aufstecken würde, sah sich getäuscht. Das Angriffsspiel wurde weiter intensiviert und drückte die nun noch tiefer stehenden Schwabinger in deren Hälfte. Es dauerte allerdings bis zur 86. Minute, bis aus dem redlichen Bemühen dann auch Zählbares herausspringend sollte. Nach einer Flanke konnte der Gästetorwart den Ball nicht sichern und Maxi Ertl vollstreckte im Stile eines Abstaubers. Durch zahlreiche Zeitspiele packte der Schiedsrichter noch ein paar Minuten Nachspielzeit oben drauf. Gerade diese sollten es in sich haben. Zuerst schnappt Helmut Leidenberger einen zu kurz geratenen Rückpass mit dem Kopf vor dem Gästetorwart ab und konnte ihn dann leider aber nicht mehr im Tor unterbringen, dann entscheidet sich Maxi Ertl für eine Ablage anstatt aus spitzen Winkel selbst abzuziehen. Den größten Aufreger des Spiel gab es aber dann genau 1 Minute vor Abpfiff, als ein langer Ball der Ismaninger von Maxi Ertl maßgenau an der Torauslinie auf Sebastian Heinenberg abgelegt wurde und dieser das Leder unhaltbar ins lange Eck zimmerte. Statt des längst überfälligen und verdienten Ausgleichstreffers entschied der unglücklich postierte Schiedsrichter fälschlicherweise auf Toraus und damit Torabschlag. Der Ball hatte allerdings nicht im Ansatz die Torlinie erreicht und wäre demnach ein einwandfreies Tor gewesen. Mangels Linienrichter in der Spielklasse sicher keine Seltenheit und auch dem Schiedsrichter am Ende des Tages nachzusehen. An diesem Tage kostete es leider dem Ismaninger Team einen höchst verdienten und berechtigten Ausgleich.

Entsprechend fielen auch die Statements nach dem Spiel aus.

Helmut Leidenberger wollte nichts über die Moral und Einsatzfreude seiner Jungs kommen lassen und stellte auch nach dem Schlußpfiff nochmals klar:

„Heute hat sicher nicht die bessere Mannschaft gewonnen, aber darum geht es im Fußball beim Ergebnis leider zunächst mal auch nicht. Schwabing hatte heute in zwei Situationen das Glück um auch ein so verlaufendes Spiel zu gewinnen. Dazu gratulieren wir als Sportler. Wir haben heute sehr viel dafür getan um als Sieger vom Platz gehen. Das war sehr gut und richtig und wir dürfen davon ausgehen, dass wir nicht nur gegen Gegner antreten, die jedes Wochenende mit so einem Glück gesegnet sind. Wir sind auf dem richtigen Weg, wie auch das Schlußtor gezeigt hätte. Wir müssen nächstes Wochenende nur die Konjunktive aus den Ergebnisberichten streichen können. “   

Ähnlich sah dies auch Maximilian Ertl, der – wie zuletzt gegen Türk Sport Garching – auch dieses Mal wieder als Schaltzentrale der Ismaninger Offensivabteilung von Anfang an mit dabei war. Dieses Mal auch in der Rolle des Kapitäns. Er resümierte nach dem Spiel:

Wir sind relativ gut ins Spiel reingekommen. Haben das umgesetzt, was der Trainer von uns verlangt hat. Die Gegner in ihrer Hälfte unter Druck setzen und Fehler erzwingen. Dadurch haben uns auch einige Torchancen erarbeitet, die wir aber leider nicht nutzen konnten. Als Team haben wir gut agiert und unseren Matchplan umgesetzt. Über die gesamte Spielzeit haben wir das Spiel gemacht. Durch zwei eigene Fehlern bekommt Schwabing zwei Standards und bestraft uns damit gnadenlos. Am Ende ist es bitter, dass du mit null Punkten nach Hause fährst. Das Schwabing 3-mal vor unser Tor kommt und 2 Tore macht. Im Schlussviertel konnten wir den Anschlusstreffer noch erzielen und spielten dann nur auf ein Tor. Schießen dann sogar noch den Ausgleich, der dann ungerechterweise aberkannt wurde. 1 Punkt wäre auf jeden Fall verdient gewesen.“

Aber auch aus diesem Spiel will der junge Spielmacher unbedingt ein paar Lernpunkte mitgenommen wissen:

Was man aus diesem Spiel mitnehmen kann ist, dass wir nicht aufgeben haben und unbedingt noch was mitnehmen wollten. Was unsere junge Truppe noch lernen muss ist, aggressiver zu spielen. In manchen Situationen ist man im Vergleich zum Gegner noch zu brav. Eiskalt vor dem Tor sein und die Torchancen auch nutzen. Aber die Saison ist noch jung, aus diesen Fehlern muss man lernen und weiter daran arbeiten.“

Mit dem geschlossenen Mannschaftsauftreten sind sicherlich gute Voraussetzungen gegeben. Gelegenheit diese Pläne in die Tat umzusetzen, haben die Ismaninger bereits wieder am kommenden Wochenende. Erneut auswärts, dieses Mal bei Phönix Schleißheim. Bleibt den Jungs zu wünschen, dass das Ergebnis dieses Mal zu deren Gunsten ausfällt.

09.09.2019 Bernd Klöpfer

  • No tweets